Beschreibung

In der kleinen Taufkapelle der Kieler St. Nikolaikirche laden vier Fenster von Johannes Schreiter mit ihrer dezenten Gestaltung zur Meditation ein. Farbigkeit und Formensprache sind gedämpft und zurückhaltend, wobei die linken Fenster etwas heller und klarer erscheinen als die rechten. Diese Abweichung ist als erzählerisches Moment gedacht, denn der Künstler spielt auf die biblische Parabel vom verlorenen Sohn an, der nach manchen Irrwegen zurück ins Licht und zur Erlösung findet.

So lassen sich die vier nebeneinander angeordneten Bilder als Wanderung des horizontalen Elements am unteren Bildrand von den Verletzungen (rechts) zur Heilung und zum Leben (links) lesen. Die U-Form des wandernden Elements weist mit der offenen Seite nach links und strebt in diese Richtung. Risse und Beschädigungen kennzeichnen das rechte Fenster, und auch der weitere Weg nach links erscheint beschwerlich. In den beiden mittleren Fenstern erscheinen von oben Impulse – zart zunächst und später kraftvoll strahlend –, die Unterstützung und Bestätigung geben. Im ganz linken Fenster erfolgt die Richtungsänderung der Bewegung nach oben hin zur Heilung und Reinigung.

Statt die Erzählung durch Figuren darstellen zu lassen, übernehmen Farben, Flächen und Linien die Aufgabe. Die Symbolik zielt damit eher auf die Gefühle und die Intuition als auf den Verstand.


Künstler/in

Johannes Schreiter
* 08.03.1930 in Buchholz, Sachsen

Johannes Schreiter wurde am 8. März 1930 in Buchholz (Sachsen) geboren. Ab 1949 studierte er Bildende Kunst in Münster, Mainz und Berlin. 1959 begann er mit den „Brandcollagen“ (Schwarz-Weiß-Zeichnungen), mit denen er sich u.a. bis 1975 auseinandersetzte. Seine Arbeiten waren u.a. auf Grafikbiennalen in Grenchen/Schweiz, San Francisco, Bradford, Krakau, Kattowitz, Salzburg, Biella, Frechen, Seattle und Frederikstad/Norwegen vertreten. Seit den 1970er Jahren gehörte sein künstlerischer Schwerpunkt der Glasmalerei in christlichen Kirchen und Gebäuden, die im Verlauf seines Schaffens weltweit installiert wurden. Er hatte Einzel- und Gruppenausstellungen weltweit auf allen Kontinenten. 1960–63 übernahm er die Leitung der Abteilung Fläche an der Staatlichen Kunstschule Bremen, war 1963–87 Professor an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Städel in Frankfurt am Main und dabei von 1971–74 deren Rektor. 1979 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Er ist Mitglied im Deutschen Künstlerbund, im Westdeutschen Künstlerbund und der Neuen Darmstädter Sezession. 2013 erhielt er die Ehrenbürgerschaft der Stadt Langen. Johannes Schreiter lebt in Langen (Hessen).

Weitere Informationen (extern):Wikipedia Kunst@SH

Literatur: Maike Bruhns, Schreiter, Johannes, in: Der neue Rump. Lexikon der Bildenden Künstler Hamburgs, Altonas und der näheren Umgebung, Neumünster 2013. Gunther Sehring, Johannes Schreiter 2011-2017 : Werke in Glas, Entwürfe, Zeichnungen, Texte / Johannes Schreiter, Gunther Sehring, Regensburg 2018.


Die Kirche

St. Nikolai
Alter Markt, 24103 Kiel-Altstadt (KI)

Die Kirche St. Nikolai zu Kiel wurde ab 1242 erbaut und ist das älteste Gebäude Kiels. Hundert Jahre später wurde der gotische Hallenbau mit einem langen Chor versehen und als Backsteinhallenkirche mit einem dreischiffigen, nahezu quadratischen Langhaus und einem einschiffigen Chor fertiggestellt. 1486 brannte sie durch einen Blitzschlag ab und wurde wieder aufgebaut. 1877–84 wurde die Kirche neugotisch umgestaltet. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie schwer beschädigt. Der vereinfachte Wiederaufbau erfolgte 1950 durch den Architekten Gerhard Langmaack.

Weitere Informationen (extern):Website Wikipedia

Nordkirche     Kirchenkreis Altholstein     Kirchengemeinde St. Nikolai zu Kiel     Kiel-Altstadt, St. Nikolai    


Routenplaner: 54.32284, 10.14012


Fotos: Jan Petersen / Kunst@SH, 2019